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Kommissar Wilhelm Berger

Wilhelm Berger ca. 1898
Wilhelm Berger ca. 1898

Inzwischen gibt es fünf Romane um den Polizisten Wilhelm Berger und seine Familie. Da ich die Bücher nicht in chronologischer Reihenfolge geschrieben habe, soll hier ein Überblick über das Leben der Bergers gegeben werden, soweit wir es bisher kennen.
Zunächst ein paar Worte über den Protagonisten. Wilhelm Berger ist kein Freund der Gewalt. Wo möglich, versucht er zu vermitteln. Er bemüht sich selbst dort um Ausgleich, wo es nichts mehr zu vermitteln gibt. Als seine Tochter ihn 1938 deshalb zur Rede stellt, sagt er: „Wir können doch nicht alle weglaufen. Wenn die Guten alle weglaufen, dann dürfen sie sich nicht wundern, dass am Ende nur noch die Bösen übrig bleiben.“ Für diese Haltung wird Berger einen hohen Preis zahlen müssen.


Bergers Tagebuch 1917
Bergers Tagebuch 1917

Wilhelm Berger ist im Jahre 1897 in Hamburg geboren. Sein Vater Friedrich Berger ist Kaufmann. Von ihm wissen wir, dass er das Johanneum besucht hat, genau wie nach ihm sein Sohn Wilhelm. Einer seiner Schulkameraden war Hjalmar Schacht, der spätere Reichsbankpräsident. Friedrich Berger hat jung geheiratet. Für ihn steht fest, dass sein Sohn die Firma übernehmen wird. Für Wilhelm Berger steht fest, dass er das nicht tun wird.
Im Ersten Weltkrieg wird Wilhelm Berger verwundet, kommt danach als sogenannter Kommandojäger nach Westpreußen, wo er für den Schutz der Forstämter eingesetzt wird. Eine gefährliche Aufgabe. In der Tucheler Heide treibt ein Mörder sein Unwesen, der es auf die deutschen Förster abgesehen hat. Wilhelm Berger ist an der Verfolgung des Mörders beteiligt. Er lernt dabei die Polin Maria kennen, verliebt sich in sie, doch sie trennen sich im Streit. Berger muss zurück an die Front und verliert den Kontakt zu Maria (Blutrot blüht die Heide).


Therese aus Huppaye
Therese aus Huppaye

Die Freundschaft zu einer jungen Belgierin, die er in den letzten Kriegstagen kennengelernt hat, wird von seinem Vater hintertrieben. Wilhelm Berger fängt in Hamburg bei der Kriminalpolizei an, wo er Jagd macht auf die Barmbecker Verbrechergesellschaft des Julius Adolf Petersen, des „Lords von Barmbeck“ (Die Nacht von Barmbeck).
Petersen wird 1922 verhaftet und abgeurteilt. Berger lässt  sich nach Düsseldorf versetzen. In Düsseldorf wohnt Jutta, 22, Kaufmannstochter, Studentin der Rechtswissenschaften, die Wilhelm auf einer Feier seines Vaters kennengelernt hat. Doch Jutta geht  nach Berlin, um zu promovieren. Berger hat wenig Zeit für Liebeskummer. Er steht vor der schwierigen Aufgabe, einen Serienmörder zu finden, der Düsseldorf unsicher macht.


Ein totes Kind finden sie im Volkspark...
Ein totes Kind finden sie im Volkspark...

Durch einen fehlgeleiteten Brief gelingt es Berger schließlich, diesen Mann zu fassen (Mitgegangen). 1930 heiratet Berger Dagmar, Juttas Freundin. Sie bringt eine neunjährige Tochter mit in die Ehe, Susanne. 1930 wird ihr Sohn Horst geboren. Im August 1932 ziehen die Bergers zurück nach Hamburg. Susanne, die ihren neuen Papa zunächst verehrt, wird zunehmend kritischer. In ihren Augen passt sich Wilhelm Berger zu stark den neuen Gegebenheiten an. Julius Adolf Petersen ist inzwischen wieder in Freiheit. Er schließt sich dem Mörder Hannack an, Berger kann ihn Ende 1933 festnehmen. Er selbst wäre allerdings auch fast festgenommen worden; das Eingreifen des Gauleiters rettet ihn (Die Nacht von Barmbeck).


... ein lebendes Kind vielleicht im alten Bergwerk
... ein lebendes Kind vielleicht im alten Bergwerk

Wilhelms Vater Friedrich hat den Aufstieg der Nazis finanziell unterstützt. Er stirbt 1933. Auf Grund der langjährigen Beziehungen zum Vater betrachtet der Gauleiter Karl Kaufmann auch Wilhelm Berger als eine Art Freund, der allerdings die Vorzüge des Dritten Reiches noch nicht erkannt hat. Berger verachtet ihn, ist aber immer stärker auf seine Hilfe angewiesen. Susanne Berger, Dagmars Tochter aus erster Ehe, ist Jüdin. Kaufmann beschafft ihr falsche Papiere; sie kann Ende 1938 nach Amerika ausreisen.


Horst Berger geht ebenfalls zur Kripo
Horst Berger geht ebenfalls zur Kripo

Wilhelm Berger und seine Kollegen Fehlandt und Richter jagen einen sadistischen Kindermörder. Berger versucht gleichzeitig, einen jungen Kommunisten vor der Gestapo zu retten. Die Aufgaben der Kripo in Hitlerdeutschland verlagern sich. Um den Kindermörder zur Strecke zu bringen, muss sich Berger den Anweisungen seines Dienstherrn widersetzen (In Deinem schönen Leibe).
Der Sommerurlaub, den Wilhelm Berger 1939 mit seiner Familie geplant hat, fällt aus. Der Mord an einer exzentrischen Frau muss aufgeklärt werden. Berger ignoriert die sich verschlechternde politische Lage. Als er Frau und Sohn ins Ausland schicken will, ist bereits zu spät. Und Wilhelm Berger selbst ist auf dem Weg nach Polen, um eine Zeugin zu vernehmen. Er wird verhaftet – erst von den Polen, dann von den Deutschen, und er kann nur mit knapper Not seine Haut retten (Nur ein gewöhnlicher Mord). Was danach geschieht, wissen wir bisher nur aus knappen Rückblenden aus der Nachkriegszeit.
Das nächste Buch spielt zwanzig Jahre später. Wilhelm Berger ist im Ruhestand. Er säuft. Seinem Sohn Horst gelingt es schließlich, Susanne aus Amerika zurückzuholen; sie kümmert sich um ihren Nennvater. Horst Berger, jung geheiratet und geschieden, hat einen Sohn Michael, geboren 1949. Horst ist inzwischen bei der Kriminalpolizei.


Der Bankräuber flieht durch den U-Bahn-Tunnel
Der Bankräuber flieht durch den U-Bahn-Tunnel

Ab 1959 hält ein gefährlicher Bankräuber die Polizei in Norddeutschland in Atem. Nach einem spektakulären Überfall in der Hamburger Innenstadt flieht er durch den Tunnel der U-Bahn. Ein anderes Mal raubt er eine Bank am Berliner Tor aus, direkt gegenüber vom Polizeipräsidium. „Spitznase“ wird er nach seinem auffälligsten Merkmal genannt. Horst Berger hofft, den Mann während des Besuchs der englischen Königin auf frischer Tat zu erwischen. Doch der Räuber kann diese Gelegenheit, bei der fast alle Polizisten anderweitig im Einsatz sind, aus gutem Grund nicht nutzen.


Beim Besuch der Queen hofft Berger, den Bankräuber zu fassen
Besuch bei der Queen

Horst Berger lernt bei der Jagd auf „Spitznase“ seine große Liebe kennen: „Rehauge“, Kassiererin in einer der überfallenen Banken. Aber die Beziehung zu einem Polizisten erweist sich als problematisch. Am Ende ist zwar der Bankräuber gefasst, aber ob Horst Berger bei der Polizei bleibt und ob „Rehauge“ sich mit ihm versöhnt, bleibt offen (Neben dem Gleis).